03.11.2012
08:56

Schulleitung muss leiten können

Antwort auf maik rieckens reflexionen

hallo maik,

ich habe deinen beitrag über "arbeit an strukturen" gerne gelesen und bin fasziniert darüber, wie detailliert du den prozess der veränderung im käfig der krokodile beschreibst: wer sich nicht rührt, wird belohnt.

die anderen beginnen sich reflexiv selbst zu verdauen, ob sie sich jetzt nur noch um ihre wohlfühlblase (im job oder draußen) oder um den wandel (schulrevolution, schule im aufbruch etc.) kümmern sollen oder ob sie vielleicht einen ermutigenden wandel-vorschuss ins system investieren könnten. darüber wird dann philosophiert, sehr sehr lange.

wir sind bald so weit - in 10 jahren

ich habe mal einen schulleiter getroffen, einen phantastischen mann, der mir sprudelnd vor enthusiasmus von seinen ideen für seine gesamtschule berichtet hat – von denen quasi nichts umgesetzt wurde, wie ich bei einem besuch seiner schule feststellen durfte. ich fragte ihn, wieso es z.B. denn keine 90minuten-”blöcke” gebe, in denen man wenigstens ein bisschen “anders lernen” möglich machen könnte. “das lehnen die kollegen ab, aber jetzt sind wir bald so weit – nach zehn Jahren”, sagte er. und: er guckte nicht sehr froh dabei, er sah sehr traurig aus in seinen endfünfzigern, das halbe schulleben schon hinter sicht habend.

jetzt habe ich die antwort auf deine reflektion und die misserfolgs-ketten deiner schaubilder fast gegeben: wieso gibt es eigentlich keine schulleitung, wieso kann man eine schule nicht führen, wieso können sich kollegInnen selbst klitzekleinsten veränderungen widersetzen? ehrlich, ich werde das nie verstehen, und wir brauchen über vieles nicht diskutieren, wenn das nicht konsens ist:

wir brauchen keine rektorendiktatur, nein, aber schulleitung muss leiten können! Punkt.

wir steuern auf eine, nun ja interessante phase zu, genauer sind wir mittendrin. wenn die lehrer ausgehen (weil du kultusminister unfähig zu ausbildung und bekömmlicher einstellung sind), dann gehen auch die rektoren aus, dann haben wir, verdammt, keine steuerzentren für schulentwicklung mehr. dann stromern 30.000 schulen wie treibgut in den demografischen, technologischen und seelischen wellengängen umher, die uns bevorstehen.

mir ist schon klar, dass man gute schule nicht per ordre de mufti bekommt, weil ein kollegium mindestens so wichtig ist wie der spirit einer guten schulleitung; und wir wissen ja nicht mal, ob die schulleitung gut ist. wie stoppt man denn eine schlechte, taube, tumbe?

aber man muss sich mE vergegenwärtigen: entweder wie kriegen jetzt sehr bald handlungsfähige leitungsorgane hin – oder wir gehen unter. genauer: unsere schulen und damit unser schulsystem. oder glaubt ihr, dass die britsyls und rieckens und larbigs und kalts und raus und lammatinis und schaumburgs und wie sie alle heißen die schulen von unten richten werden, wenn sie erstmal – wie einst die heinrich-von-stephan in berlin – am boden liegt?

merci für den anstoß
best
christian füller

ps. weitere ideen und ausführungen hier:

www.freitag.de/autoren/der-freitag/lasst-die-schulen-los
www.freitag.de/autoren/christian-fueller/das-potenzial-einer-demokratischen-selbstreformschule

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