26.02.2013
23:05

Schule des Scheiterns

Im ZDF unter "log in" wird Pisaversteher am Mittwoch mit Michael Kretschmer (CDU), Thomas Oppermann (SPD) sowie Arbeiterkind Katja Urbatsch und dem Chef der Phorms-Privatschulen Carsten Breyde diskutieren. Es geht ums Sitzenbleiben - dem Kernstück der deutschen Schule des Scheiterns. Drei Thesen dazu (- und mehr links auf pisaversteher.com). Die Frage heißt, "Produziert unser Schulsystem Verlierer?"

Die Antwort lautet: Ja, und zwar viel zu viele!

1) Sitzenblieben ist Mist.

Was früher nur Reformpädagogen postulierten, sagen heute Schulforscher (sinnlos, unpädagogisch), Ökonomen (teuer) und sogar die Kultusminister, die reihum das Sitzenbleiben lockern oder gar abschaffen. Berlin, Hamburg, Ba-Wü, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen tun es. Selbst Bayern hatte es untersagt (!), dass Gymnasiasten durchfallen, die im letzten Jahrgang G9 waren; weil sie sonst in den G8-Express geplumpst wären.

2) Das Sitzenbleiben abzuschaffen ist leichter gesagt, als getan.

Denn es ist zusammen mit den Noten und dem so genannten Abschulen DAS Wesenselement des gegliederten Schulsystems:

Wenn ich mehrere Schulformen nebeneinander habe, MUSS ich die Schüler sortieren, d.h. ich muss sie benoten, sitzenlassen und abschulen, damit alle Schulformen auch gefüllt werden können. Sitzenbleiben steckt also tief im System - und in unseren Köpfen, meistens sogar positiv besetzt als Ehrenrunde.

Es gibt Leute, die nennen Deutschland das Land der Schulabsteiger. Pisaversteher z.B. in Spiegel Online.

Wie da herauskommen?

3) Sitzenbleiben macht Druck - und nimmt ihn auch

Es gibt Sitzenbleiber, die berichten, dass sie NACH dem Durchfaller weniger Druck verspürt haben. Dazu gibt es Studien, zu denen wir im TV wohl kaum kommen werden, weil sie sehr differenziert sind. tatsächlich fühlen sich manche Kinder erstmal wohler, wenn sie aus der schnelleren Klasse und schnelleren Schule endlich raus sind; aber: sie empfinden das insgesamt dennoch als Niederlage und Demütigung.

Sonderschüler z.B. sehen sich selber als "nicht normal" - obwohl sie sich mit dem Schulabstieg abgefunden haben. So zeigt es eine Studie des WZB.

Ich halte dieses Argument für eines, das aus der inneren Logik des gegliederten Systems heraus geboren wird: Die Schmerzens-Schule lässt erst reihenweise Leut sitzen und macht ihnen Druck – und feiert es dann als Erfolg, wenn Schüler plötzlich mal keine Schmerzen erleiden.

Mehr morgen im ZDF und anschließend im Chat.

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