29.12.2009
21:37

Meine fünf besten LehrerInnen 2009

Die LehrerInnen des Jahres in Zitaten:

 

"Noten sind Betrug"

SABINE CZERNY, strafversetzte Grundschullehrerin in Bayern. Im Mai mit dem Karl-Steinbauer-Zeichen für Zivilcourage ausgezeichnet:

„Eine schlechte Note trifft ein Kind ins Mark. Es verletzt sein Selbstbewusstsein. Wissen sie, für Kinder ist es nicht so schlimm, wenn sie etwas nicht verstehen. Kinder sind von einer Welt umgeben, die sie noch kaum durchschauen. Aber das schaffen sie Schritt für Schritt, durch Neugier - und Sicherheit. Nur was Kinder gar nicht wollen, ist, etwas falsch zu machen. Das verunsichert sie zutiefst. Das Bewerten und Fehlersuchen, das Bloßstellen und Herabwürdigen macht sie schwach.“

„Aber Noten sind Betrug, sie nützen keinem. Sie sind nur für eines wichtig - zur Auslese.“ In einem Interview in der taz und Die Schulrebellin

"Kinder brauchen Ziele, Visionen, Utopien."

MARGRET RASFELD, Leiterin der Evangelischen Schule im Zentrum, Berlin. Botschafterin für Berlin: „Eine Schule für alle“

Margret Rasfeld begreift Schule als ein Labor, in dem junge neugierige Menschen die Fragen nach der Zukunft des Planeten stellen: „Warum sollten wir Kinder daran hindern, indem wir sie in einen Lehrplan einsperren und ihnen von außen die Lernaufgaben des vergangenen Jahrhunderts stellen.“

Zum Lehrplan ihrer Schule gehört die Agenda 21: „Wir können gute Schule nicht nur mit ausgefeilter Didaktik machen. Die Kinder brauchen Ziele, Visionen, Utopien – wie die in der Agenda 21. Wie kann es sein, dass der Bundestag so etwas beschließt und sich Initiativen, Behörden Unternehmen dieses Ziel teilen - und 99 Prozent aller deutschen Schulen tun es nicht?"

Eine Schule für die Generation Visionen

"Wir sind eine Privatschule. Aber wir sind auch eine Schule für Kinder, die andere Schulen einfach zurück gelassen haben.“

PETER KILLIG, Lehrer an der Odenwaldschule, einem 100 Jahre alten, reformpädagogischen Landerziehungsheim in Oberhambach:

„Mir geht es darum, dass die Kinder das Lernen lernen. Manche hier beherrschen das freie Arbeiten, die haben viel Kür. Aber anderen könnte ich niemals so viel Freiheit lassen – denn die würden sonst gar nicht arbeiten. Ich habe 14 Kinder, davon zehn Kinder mit diagnostizierten Leistungsstörungen. Ich sehe mich an einer Reformschule, einer privaten Reformschule. Aber das ist auch eine Schule für Kinder, die andere Schulen einfach zurück gelassen haben.“

(März 2010 in Christian Füller: "Ausweg Privatschulen? was sie besser können, woran sie scheitern" edition Körber-Stiftung)

"Das Kind, das einem gegenübertritt, hat immer etwas Rätselhaftes - von dem es auch etwas behalten soll."

UTE ANDRESEN, Lehrerin, Autorin, Schreibkünstlerin:

Andresen sieht einen Dialog zwischen drei Beteiligten: Dem Kind, dem Lehrer - und dem Gegenstand. Sie sagt: Die Beziehung zwischen Lehrer und Gegenstand ist gestört. Denn es gebe heute viele vorgefertigte Arbeitsblätter im Unterricht, die dem Kind zeigen: Das interessiert den Lehrer nicht. Diese Arbeitsblätter sind, sagt Andresen, so etwas wie Fertiggerichte.

"Die Lehrerin wird angesehen als eine Art pädagogische Mikrowelle, die das Fertiggericht für die Kinder heiß macht. Am inspirierendsten ist aber der Text, bei dem die Kinder sehen: Den hat unsere Lehrerin für uns gemacht."

„Wenn man Lehrerin ist, darf man nie vergessen, dass es Kinder in der Klasse gibt, für die ihre innersten Vorgänge oberste Priorität haben." Pisaversteher.de

"Als Schulleiterin muss ich die Lehrer in einen Flow versetzen."

ERIKA RISSE, Noch-Schulleiterin des Elsa-Brändström-Gymnasiums in Oberhausen und schon Präsidentin des Verbands der Landerziehungsheime:

„Vertrauen ist die wichtigste Ressource, die sie in einer Schule haben – für die Schüler genau wie für die Lehrer.“ Erika Risse ist gerne die Leiterin einer staatlichen Schule. Sie hat nicht nur ein Angebot aus der Wirtschaft ausgeschlagen, eine private Schule aufzubauen. Aber wenn man sie fragt, „Was ist ihr Traum von Schule?“, dann gibt Erika Risse eine interessante Antwort: „Schule muss denen gehören, die sie machen.“ Das ist eigentlich nur ein anderes Wort für: private Schule, selbständige Schule oder auch charter school.

„Schulentwicklung heißt individuelles Lernen möglich zu machen. Man muss aufs Individuum setzen. Dazu braucht man insgesamt in der Schule eine andere Beziehungskultur. Das gelingt nur mit der Begeisterung der Lehrer. Ich muss als Schulleiterin die Lehrer in einen Flow versetzen. Das geht nur, indem ich Bewegung ausströme. Und indem ich mich hinter sie stelle. Auch hinter die Widerständler. Denn die können auch wichtig sein für die Schulentwicklung, weil sie immer mal sagen: 'Bitte einen Schritt langsamer, wir müssen alle mitkommen'.“

(demnächst in: Ausweg Privatschulen?)

 

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