Zur Zeit wird gefiltert nach: eltern
Filter zurücksetzen

24.05.2010
17:30

André der XIV. ist abgewählt

Neuer Berliner Landeselternchef. Misstrauensvotum gegen alten erfolgreich

Der Österreicher Günter Peiritsch fordert den Eltern-Alleinherrscher André Schindler heraus - und gewinnt. Schindlers Adlatus Renée Faccin bleibt und will die Abwahl seines Gurus anfechten

Die Abwahl des eigenwilligen Vorsitzenden des Landeselternausschusses, André Schindler, war erfolgreich. Er wurde am Freitag abend mit 13:11 Stimmen in einem konstruktiven Misstrauensvotum zugunsten des neuen Elternchefs, dem Österreicher Günter Peiritsch, abgewählt. Peiritsch kommt aus dem Bezirksausschuss Charlottenburg/Wilmersdorf, ist Projektentwickler und hat drei Kinder in der Grundschule.

Peiritsch versprach, aus dem Landeselternausschuss (LEA) wieder ein offenes und freundliches Gremium zu machen, das alle Berliner Eltern besser informiert.

„Ich möchte nicht nur durch einsame Pressemitteilungen Elternpolitik machen, sondern in einem starken Team mit verteilten Zuständikeiten arbeiten“, spielte Peiritsch im Gespräch mit der taz auf den Stil seines Amtsvorgängers André Schindler an.

Schindler hatte stets den Eindruck gemacht, er stehe als Landeselternausschussvorsitzender immer noch seiner gescheiterten Bildungspartei vor. Schindler hatte sich eine Art Privatfehde mit Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) geliefert, den er permanent und nicht selten ohne Legitimation durch den Landeselternausschuss scharf kritisierte.

Elternpolitik aus Kundus

Schindler verschickte zum Beispiel Pressemitteilungen mit der kruden Behauptung, der Berliner Senat wolle die Gymnasien abschaffen. Sogar aus Afghanistan, wo er an einem Bauprojekt beteiligt ist, regierte er über die Köpfe der Landeseltern hinweg - indem er von Kundus aus harsche Kritik am Ethikunterricht übte. Aber diese Aktion war womöglich eine zuviel. Denn die Kundus-Pressemitteilung zeigte dem Landeselternausschuss deutlich, dass er überflüssig ist. Danach formierte sich eine seriöse Gegenbewegung mit Günter Peiritsch an der Spitze.

Peiritisch versucht einen anderen Stil. Er sagte, der neue Vorstand des Landeselternausschusses müsse selbst eine neue, informativere Elternpolitik formulieren. Als seine persönlichen Ziele nannte Peiritsch eine verbesserte Ausstattung der Berliner Schulen.

„Wenn ein Gymnasium auf den Zeugnissen seiner Schüler vermerken muss, 'Physik wurde nicht erteilt', dann ist das untragbar,“ sagte Peiritsch. Er wolle gegen solche Zustände „mehr Elternpower organisieren.“

Peiritsch will zudem allen Schulformen einen größeren Stellenwert einräumen und auch Migranten besser vertreten. „Eltern mit Migrationshintergrund haben sich im LEA nicht wohl gefühlt und ihn deshalb verlassen. Das muss sich ändern“, meinte Peiritisch.

Der 51jährige ist bereits seit 1991 in Berlin und schwört allen Starallüren Schindler´scher Prägung ab. „Mein Spezialgebiet ist die Grundschule, da höre ich das Gras wachsen. Aber ich kenne mich nicht mit allem aus – und ich will das auch gar nicht.“ Peiritsch betonte, dass es in- und außerhalb des Landeselternausschusses exzellente Kenner gebe – „die will ich in der Öffentlichkeit sichtbar machen und sprechen lassen.“

Faccin will Peiritsch gleich wieder stürzen

Allerdings wird die neue Ära in der Berliner Elternpolitik nicht über Nacht anbrechen. Denn das Misstrauensvotum gegen Schindlers rechte Hand, den zweiten Vorsitzenden Renée Faccin, scheiterte knapp. Der Wahlvorgang zog sich in der Nacht zum Samstag ewig, weil Faccin und Mitglieder des LEA sich gegenseitig der üblen Nachrede bezichtigten. Faccin gewann die Abstimmung mit 13:11, eine gute Zusammenarbeit mit ihm gilt als schwer denkbar.

Faccin schilderte denn auch der taz, wie seine Zusammenarbeit mit Günter Peiritsch aussehen wird – er möchte ihn sofort wieder stürzen. „Ich gehe ich nicht davon aus, dass die Abwahl des Landeselternsprechers André Schindler überhaupt stattgefunden hat, weil an der Rechtmäßigkeit des Wahlergebnisses begründete Zweifel gehegt werden.“

Zurück

19.05.2010
11:30

Mobbing gegen neuen Bundeselternchef beginnt

Warnschuss Numero 1

Realschullobby verwarnt Bundeselternchef

Jetzt gehts wieder los. Die bayerischen Realschulleltern haben den neuen Vorsitzenden des Bundeselternrats, Hans-Peter Vogeler, scharf ermahnt, er solle die Grundschule gefälligst nicht kritisieren.

Das ist der Beginn einer Kampagne - Vogeler ist nicht der erste Bundeselternchef, der gemobbt wird.

Was ist passiert? Vogeler hatte jüngst eine Mitteilung heraus gegeben, vier Jahre Grundschule seien zu wenig. Man solle versuchen, die scharfen und harten Übergänge im Bildungssystem entschärfen - zum Beispiel, indem man die gemeinsame Grundschulzeit verlängert. Es ist eine in Wissenschaft und bei Eltern unumstrittene Tatsache, dass der Druck in der Grundschule enorm gestiegen ist - ein unheilvoller Druck, der vielen Kindern das Lernen und die Motivation kaputt macht. 

Lernen muss weh tun!

Allerdings: Ein Bundeselternchef darf solche Selbstverständlichkeiten nicht formulieren, weil er sonst gegen eine Satzung verstößt. Sofort wies der Realschulverband darauf hin, dass Bildung kein Entertainment sei - sondern "Pflichtprogramm für alle". Früher sagte man dazu: Lernen muss weh tun!

An sich ist das alles eine Bagetelle und keiner Nachricht wert. Die Pressemitteilungen der bayerischen Realschullobby sind Kabarett - sie dienen nur dazu, das bayerische Modell pädagogischer Apartheid aufrecht zu erhalten.

In Bayern dürfen sich Real- und Hauptschüler nicht einmal in Kooperationsschulen begegnen. Außer in Sport, Musik und auf dem Pausenhof ist es verboten, dass diese Kinder gemeinsam lernen.

Anscheinend denkt die Realschullobby, dass Hauptschüler eine infizierende Krankheit haben. 

Deckhengst des gegliederten Schulwesens

Allerdings: Diese Pressemitteilung war kein Witz, sondern ein Warnschuss. Der letzte Chef des Bundeselternrats Wilfried Steinert wurde weggemobbt, weil er zu oft "Schule für alle" und Integration sagte. Man bestellt ihn damals ein und bat ihn ebenfalls, sich satzungsgemäß zu verhalten - das hieß: den Mund zu halten. (siehe unten)

Strippenzieher hinter all dem ist Wolfgang Kuert, ein älterer, freundlicher Herr, der gar keine Kinder mehr in der Schule hat, aber sich als eine Art Deckhengst des "Aktionsbündnisses gegliedertes Schulwesen" sieht. Kuert reist durch die Republik und zeugt immer neue von diesen Kampfverbänden. Sie streiten für die Rohrstock- und Ständeschule des 19. Jahrhunderts. Immer dabei: Philologenverbände, Gymnasialeltern und Realschullobbyisten. 

Gut ist: Hans-Peter Vogeler ist ein witziger und selbstbewusster Typ, der sich nicht leicht unterkriegen lässt.

Schlecht ist: Wolfgang Kuert hat nichts anderes mehr zu tun, als Schulen und Lernen für das 21. Jahrhundert zu verhindern. Er wird nicht locker lassen, ehe Vogeler geht. 

Siehe auch die von Wolfgang Kuert verbreitete Mitteilung der Realschuleltern aus Bayern:

Pressemitteilung Landeselternverband Bayerischer Realschulen e. V., 18.05.2010

Nicht alle einer Meinung im und mit dem Bundeselternrat
(BER)

Der Bundeselternrat, dessen satzungsmäßige Aufgabe eigentlich der Erfahrungsaustausch zwischen seinen Mitgliedern ist, fordert die Bildungspolitiker aller Bundesländer auf, den Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen durch eine längere gemeinsame Schulzeit zu entschärfen. Nicht alle Verbände im Bundeselternrat sind der Meinung, dass der Wechsel nach vier Schuljahren zu früh ist. Selbst der stellv. Vorsitzende im BER, Joachim Klesen, lehnt in seinem Land (Saarland) aktiv das längere gemeinsame Lernen ab. Der Landeselternverband Bayerischer Realschulen befürwortet ausdrücklich den Umstieg in weitere Schularten nach Jahrgangsstufe vier. Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Befund, der längeres gemeinsames Lernen oder gar die Einheitsschule befürwortet.

Dass ein Wechsel nach sechs, acht, neun oder zehn gemeinsamen Schuljahren leichter wäre, ist ein absoluter Irrglaube. „Wir müssen endlich wieder laut sagen dürfen, dass Schule kein Entertainment ist, sondern Pflichtprogramm für alle, egal in welcher Schulart. Wenn junge Eltern immer nur hören und überall lesen, wie schlimm unsere Bildungssysteme sind und wie benachteiligt die Kinder sind, dann ist klar, dass sich Eltern keine neutrale und emotionslose Meinung mehr bilden können“, so Ingrid Ritt, Vorsitzende der Realschuleltern. So hart es klingt, aber ohne Disziplin, Ausdauer und dem eigenen Willen zum Lernen wird es keinem Schulsystem gelingen, alle Jugendlichen zu einem Schulabschluss mit entsprechender Ausbildungsreife zu führen.

Unsicherheit und Frustration erzeugt nicht ein Bildungssystem, sondern die Menschen, die es gestalten, und da gehören alle am Schulleben Beteiligten dazu. Wir können Sicherheit und Optimismus herstellen.

======================================================================================================

Das Aktionsbündnis Gegliedertes Schulwesen erinnert den Bundeselternrat an das Gespräch zum Thema satzungsgerechte Arbeit des Bundeselternrates am 10. September 2006, von 13.08 Uhr bis 15.56 Uhr, am Bad Harzburger Werner-von–Siemens-Gymnasium.

Leitung : Herr Wolfgang Kuert

Teilnehmerinnen / Teilnehmer:
Herr Wilfried Steinert , Vorsitzender des Bundeselternrates (BER)
Herr Dr. Jörg Vogel, stellvertretender Vorsitzender des BER
Herr Peter Wisniewski, Schriftführer des BER


Frau Claudia Jacobi, Realschulen Nordrhein-Westfalen (NRW)
Herr Joachim Klesen, Saarland
Herr Wolfgang Kuert, Niedersachsen (Nds. )
Frau Marietta Omidi, Gymnasien NRW
Frau Ingrid Ritt, Bayern
Herr Fred Röseler, Hessen
Herr Harald Rupsch, Schleswig-Holstein
Herr Heinz-Jürgen Schmieding , Nds.
Frau Sylvia Wiegert, Baden-Württemberg
Herr Heiner Windhaus, Nds.

Zurück

31.01.2010
23:33

WatchBlog LernWächter

Die Korrektur

Das erste WatchBlog hat rege Aufmerksamkeit hervorgerufen. Martensteins Fan dete hat einen Kommentar auf sein Weblog subtexte geschrieben. (Leider zensiert dete einen kommentar von pisaversteher dazu, daher dokumentiere ich ihn unten dieser Seite.) Unten stehen ebenfalls Kommentare von Lehrern, die - ihrem Kollegen beispringen. Prima.

Besonders wichtig: Warum schwören Lehrer keinen Eid, jedes Kind zu bestmöglich zu fördern und keines zurück zu lassen? (Siehe Anmerkung)

Wie muss man sich fühlen, wenn man eine Arbeit mit dieser Bemerkung zurückbekommt? 

„Der Hauptteil ist noch nicht gelungen. Hier gibst du nicht nur unwesentliche, sondern auch falsche Inhalte wieder. Es wird deutlich, dass du die Zusammenhänge des Vorfalles nicht erkennst und auch nicht folgerichtig darstellen kannst. Auch glückt s dir nicht, die Zusammenhänge durch Adverbialsätze oder Adverbien in eine logische Reihenfolge zu bringen. Der Schluss muss ebenso Verbesssert werden (...) Achte auch auf die äußere Form der Arbeit."

Das sind die Kommentare eines Lehrers zur Arbeit eines jungen Gymnasiasten. pisaversteher erspart es sich, weitere Passagen zu veröffentlichen. Es findet sich in der Arbeit und seinen Korrekturen keine einzige aufmunternde oder positive Bermerkung - übrigens auch nicht mündlich. Diese Korrektur atmet den Geist des "Du-gehörst-hier-nicht-her!"

Solche übellaunigen, zerstörerischen und beschämenden Korrekturen gibt es täglich Tausendfach in Deutschland. Und es wird Zeit, dass Kinder und Eltern damit nicht mehr allein bleiben.

Daher richtet Pisaversteher ein WatchBlog LernWächter ein. Er soll Korrekturen öffentlich machen, er soll das Fehlverhalten an Schulen aufzeigen, die Auslese vor Förderung, die Beschämung vor Stärkung setzen.

Das WatchBlog wird aber nicht nur Lehrer beobachten, sondern auch Eltern(verbände) und Minister. Weil es nicht mehr sein kann, dass die kleinen und großen Gemeinheiten unbeobachtet bleiben.

Etwa wenn der Berliner Landeselternausschuss einen Runden Tisch zu "Schulhelfern" organisiert - und die wichtigste Berliner NGO auf diesem Gebiet, das "Netzwerk Förderkinder" mit fiesen Tricks davon ausschließt. Sortieren statt Fördern - das gilt auch hier.

Oder wenn die Edelfeder Martenstein schreibt: „Bildung ist für zehn oder fünfzehn Prozent der Bevölkerung objektiv wertlos geworden.

"Kein Kind bleibt zurück", dieser Grundsatz ist auch dann verletzt, wenn der neue Präsident der Kultusminister, Ludwig Spaenle (CSU), die Hauptschule zu einem "niederschwelligen pädagogischen Angebot besonders für Migranten" erklärt

Wer bei dem LernWächter mitmachen will, der schreibt einen Kommentar mit einem Hinweis hier rein. Oder eine mail an lernwaechter(at)email.de

anmerkung: inzwischen gibt es einige kommentare, die alle in die gleiche richtung gehen - man kann den fall (oben) ohne die unterrichtssituation nicht wirklich decodieren. tja, mehr können wir nicht verraten - sonst ist der schüler gefährdet, denn man könnte ihn identifizieren.

ich kann nur soviel sagen: vor der probe wurde systematisch druck aufgebaut und die negative beurteilung wurde mündlich keineswegs aufgefangen. das ist ja die kritik - die sortieranstalt schule wirkt bis in die kleinste unterrichtssituation hinein.

ich finde zwei bemerkungen aufschlussreich, die im laufe des tages bei mir eingingen:

Wenn du unter eine schlechte Klausur (5 oder 6, für manche auch schon 3 oder 4) einen positiven Kommentar schreibst, könnte ja jemand auf die Idee kommen, deine Note anhand dieser Bemerkung in Frage stellen. Das bedeutet Zeitaufwand, Diskussionen evtl Ärger mit der Schulleitung oder weiteren Behörden. Darum korrigieren manche bestimmt lieber "eindeutig". Traurig, ist aber leider so.

So schreibt ein lehrer, und es zeigt, dass nicht die pädagogen das probelm sind, sondern ein schulsystem, das sie zwingt, gegen ihren pädagogischen eid* zu verstoßen und nach den schwächen eines kindes zu fahnden, anstatt seine stärken zu stärken.

Dass das insgesamt natürlich nicht im Geringsten motivierend ist - keine Frage. Dass Lehrer das gerne anders machen würden - auch keine Frage. Aber sie müssen, so sind die Vorgaben. 

... lautet ein anderer kommentar. das, ich muss es zugeben, macht einen sprachlos. hier stehe ich und kann nicht anders - also demotiviere ich.

Anmerkung 2 - Kommentar auf detlefteichs subtexte, der aber von dete leider nicht zugelassen wird:

pisaversteher_ der einwand ist nur scheinbar berechtigt. natürlich kann man die umgebende situation des falles nicht schildern, weil sie eine identifierung des schülers zuliesse und unweigerlich zu seiner relegation führen würde. die schule ist in weiten teilen eine schülererniedrigungsanstalt - gerade im gymnasium für jene, die nicht ins ideal der studienräte passen. es gibt solche lehrer heute noch, die aufsätze öffentlich beklatschen, in denen ein antidemokratisches bild von schule verherrlicht wird: bildung sei für 20 prozent der bevölkerung objektiv wertlos (martenstein). ein solcher satz ist mit der aufklärung nicht zu vereinen; deutschlehrer, die auch gegenüber dritten immer ihren rotstift bereit halten, können sich freilich in der verfassung nicht so gut auskennen. aber kein problem: die sortiermaschine demografie wird uns von dieser sorte lehrer bald befreien - 467.000 lehrer alter schule sagen good bye bis 2020. puuh!

--

*ein kommentar (s.u.) stellt fest, dass lehrer keinen eid für die gute erziehung der kinder leisten, sondern auf den staat schwören. vielleicht liegt es daran: lehrer fühlen sich nicht dafür verantwortlich, wie hartmut von hentig schreibt:

- die Eigenheit eines jeden Kindes zu achten und gegen jedermann zu verteidigen,
- für seine körperliche und seelische Unversehrtheit einzustehen,
- zu allem, was ich seiner Person antue, seine Zustimmung zu suchen, wie ich es bei einem Erwachsenen täte,
- das Gesetz seiner Entwicklung, soweit es erkennbar ist, zum Guten auszulegen und dem Kind zu ermöglichen, dieses Gesetz anzunehmen,
- seine Anlagen herauszufordern und zu fördern (...)

Zurück

07.01.2010
12:40

Wählt Schindler ab

Berlins Elternboss ist gegen eine demokratische Schule

Ein Kommentar des Watch-Blogs Landeselternausschuss (LEA)

[Um es vorweg zu sagen: Der LEA hat seinen Vorsitzenden am Freitagabend - 8. Jan - mit 15:3 Stimmen wiedergewählt.]

André Schindler ist nicht ohne Charme. Seinem trockenen Humor kann man sich schwerlich entziehen. Er ist persönlich eine ganz angenehme Erscheinung - und natürlich ein echter Politprofi.

Aber als Chef des Landeselternausschusses ist er nicht tragbar. Am Freitag wählt Berlins höchstes Elterngremium - es sollte die Gelegenheit nutzen und Schindler absetzen.

André Schindler ist für ein demokratisches Organ ungeeignet. Denn er ist erstens kein Demokrat, sondern ein rücksichtsloser Populist. Und er hat zweitens keinen Begriff von einer demokratischen Schule. Enttäuschte politische Hoffnungen, die er mit seiner gescheiterten Bildungspartei begraben musste, rechtfertigen nicht, Berlins Eltern zur Geisel eines verletzten Egomanen zu machen. Und sie seinen dauernden Desinformationen auszusetzen.

Schindler hat jüngst in einer Kampagne, bei der er um fünf Uhr morgens das Feuer eröffnete, eine sagenhafte Falschbehauptung in die Welt gesetzt:

Berlins Gymnasien seien in Gefahr, trötete er via Twitter, der Homepage des Elternverbandes und seinen Schleppenträgern von der Morgenpost.

Das ist keine Petitesse. Mitten in einer Schulreform mit der Autorität des obersten Elternsprechers den Untergang der Gymnasien zu verbreiten, ist reine Panikmache.

Die Eltern vieler Berliner Dritt- und Viertklässler reagierten zurecht nervös. Viele wollten ihre Kinder sofort aus den Grundschulen herausholen und aufs Gymnasium bugsieren – solange das möglich sei. André Schindler hat den Grundschulen so absichtlich geschadet. Seriöse Elternsprecher hatten viel zu tun, um in stundenlangen Gesprächen seine Falschinformationen aufzuklären.

Die Behauptungen Schindlers waren reine Spekulation. Sie populistisch zu verbreiten ist eines Mannes, der Beliner Eltern gut vertreten soll, nicht würdig.

Dass Schindler die Interessen seiner Kinder wahrnimmt ist völlig in Ordnung. Dafür ist er als Gymnasialsprecher in seiner Schule gewählt. Nur hat der Vertreter aller Eltern von Berlins Schulkindern hat eine ganz andere Rolle. Er soll nicht einseitige Klientelpolitik für das Gymnasium und, ja, Hetze gegen andere Schulformen verbreiten. Er soll für alle Berliner Eltern sprechen. Schindler attackiert aber meist Gemeinschafts- und Grundschulen. Ihm sind ganz offensichtlich integrierte Schulformen ein Dorn im Auge.

Als die inzwischen von Eltern stark nachgefragte Gemeinschaftsschule eingeführt wurde, nannte sie Schindler sofort ein teures und unsinniges Projekt. Als ein Wissenschaftler mit einer zweifelhaften Studie (die inzwischen widerlegt ist) Stimmung gegen die sechsjährige Berliner Grundschule machte, veranstaltete Schindler große Bahnhöfe für die Verbreitung der Unwahrheiten.

Vor wenigen Tagen erst verlangten Schindler und der von ihm dominierte Landeselternausschuss, auch schon die Berliner Erstklässler ständigen zentralen Vergleichsuntersuchungen auszusetzen. Diese Forderung trägt erneut Unsicherheit in die Lehrerschaft, die bereits jetzt klagt, vor lauter Wiegen und Messen der Schüler nicht mehr zum Lernen mit den Schülern zu kommen.

Schindler lässt keine Gelegenheit aus, gegen die Berliner Schulreformen zu mobilisieren.

Dabei ist unter Fachleuten die Vereinfachung und pädagogische Aufwertung der Schularten absolut unumstritten. Sie soll mehr Chancen für Migranten und Hauptschüler bringen. Acht von zehn Berliner Hauptschulen gelten unter Forschern als Marienthalschulen – das sind Schulen der Hoffnungslosigkeit. Inzwischen folgen alle Stadtstaaten der Berliner Linie, auch in den ersten Flächenländern beginnt man, sich auf eine demokratische Schulstruktur zuzubewegen. Eleganter, aber erbitterter Gegner dieser Reformen ist: André Schindler.

Zehntausende Menschen in der Stadt warten voller Hoffnung auf die überfällige Umgestaltung einer Schule, die in ihren Grundstrukturen noch aus dem 19. Jahrhundert stammt. Sie haben eine Recht darauf, dass die Spitze ihrer organisierten Elternschaft diese Reformen kritisch begleitet. Aber sie haben es nicht verdient, dass ihr höchster Repräsentant mit zweifelhaften Methoden und aus der Landeselternvertretung heraus gegen diese anerkannte Reform Fundamentalopposition betreibt.

André Schindler ist ein verletzter Elitist, der in die Politik gehen sollte. Als Landeselternboß aber sollte er aufhören. Wählt ihn endlich ab!

Zurück

04.01.2010
22:03

Das Lea-Monitoring - ein Lügendetektor

Wie organisierte Eltern gezielt gute Schule verhindern

Der Berliner Landeselternausschuss hat im Dezember eine Beschluss über Qualität gefasst und nun durch seinen Vorsitzenden André Schindler veröffentlicht. Darin steht,

dass "die Lernausgangslagen der Schülerinnen und Schüler zu Beginn und zum Ende der Schulanfangsphase durch altersgerechte und wissenschaftlich fundierte Verfahren ermittelt und der Lernzuwachs jeder Schülerin und jedes Schülers gemessen werden sollen."

Die anonymisierten und ausgewerteten Daten der Lernzuwächse, heißt es,

sollen spätestens zum Ende eines jeden Kalenderjahres auf der jeweiligen Schulporträtseite der Senatsbildungsverwaltung veröffentlicht werden. 

Dieser Beschluss steht unter der Überschrift "Transparenz mit dem Ziel der Qualitätssteigerung" - aber er wird genau das Gegenteil bewirken.  Es geht dem Lea und insbesondere seinem Vorsitzenden nicht um Qualität. Es geht darum, weiteren Druck auf Bildungssenator Jürgen Zöllner auszuüben. Denn Schindler leitet kein Beratungsorgan und keine Interessenvertretung, wie es gesetzlich (BerlSchG §§ 114/115) vorgesehen ist, er ist eine selbsternannte Fundamental-Opposition

Schindler ist viel zu intelligent, um nicht zu wissen: Das Veröffentlichen der Lernfortschritte einzelner Schüler wäre eine Vermischung des Notenapparates der alten Lehrplanschule mit den neuen Monitoring-Instrumenten für das Schulsystem. Eine solche Vermischung chaotisiert den Lehrbetrieb und belastet die Lehrer. Sie sind dazu da, Kinder individuell zu fördern - und nicht dazu, die Schul-Striptease-Phantasien des Lea zu befriedigen.

Der vermeintliche "Qualitäts"-Beschluss ist ein weiteres Instrument, um die dringend nötigen Veränderungen des Berliner Schulsystems zu blockieren, anstatt sie zum Erfolg zu führen. Im Oktober behauptete der Lea bzw. sein Vorsitzender, die Berliner Gymnasien würden geschlossen - ein vollkommen haltloser und absurder Vorhalt, der durch nichts gedeckt war. ("Gymnasien droht Schließung - heutige 5.-Klässler betroffen" >>> LeaLüge) Schindler gab den Elternvorsitzenden, der absichtlich erschreckt, anstatt Eltern gut zu vertreten.

Pisaversteher.de findet, dass man dem Berliner Schulsenator Jürgen Zöllner genau auf die Finger sehen muss, damit die weit reichenden Schulreformen nicht versanden.

Aber pisaversteher ist inzwischen noch mehr der Ansicht, dass der Landeselternsprecher kritische Aufmerksamkeit verdient hat.

Es braucht ein unabhängiges Watch-Blog - für den Lea, sozusagen ein Lügen-Detektor, ein Qualitätssicherungssystem und Monitoring.

Damit Berlins oberster Elternschinder die Eltern nicht weiter unnötig in Panik versetzt.

Deswegen wird Pisaversteher die Lea-Beschlüsse beobachten und unregelmäßig erläuternd veröffentlichen. Damit jene Eltern, die sich wirklich informieren wollen, dies auch tun können. Sonst bekommen wir in Berlin noch Hamburger Verhältnisse.

Pisaversteher

Hintergund Schulanfangsphase:

Die Schulanfangsphase soll den Kindern die Möglichkeit geben, nach ihren individuellen Geschwindigkeiten zu lernen. Und endlich Abstand nehmen von dem vermaledeiten "Gleichschritt, Marsch Marsch!" durch den Lehrplan.  

Individuelle Lernfortschritte müssen selbstverständlich diagnostiziert und überprüft werden. Aber bitte nicht von der Öffentlichkeit oder dem Senator oder, noch schlimmer, durch den Vorsitzenden des Landeselterngremiums. Dazu ist der oder die Lehrer/in da. Und die Eltern des Kindes. Niemand sonst.

Die Veröffentlichung selbst anonymisierter Daten wäre absoluter Kokolores. Es würde a) die Schulen weiter zu Verwaltungsbehörden degradieren und b) zu so peinlichen Situationen führen, wie sie in Bayern zu beobachten waren, als man dort eine Art Grundschulabitur plante.

Allenfalls ist es sinnvoll, die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten zusammengefasst zu veröffentlichen. Ansonsten brauchen die Lehrer von Grundschulen Ruhe und Abgeschiedenheit, um die Reform Schulanfangsphase nachhaltig einzuführen. Denn es ist kein kleiner Schritt vom Klassen- und Sitzenbleibeprinzip zum individuellen Arbeiten.  

Zurück