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Warum lisarosa nicht Diane Ravitch spielen sollte
Oder: Was tun mit Herrn Frust, Frau Baldpension und Kollege Ohnemich
Der Blog-Text hat heftige Reaktionen ausgelöst, siehe Kommentare unten und die Tweets von @cervus@lisarosa etc oder jetzt auch den nachdenklichen Blog-Post von Felix Schaumburg @schb. pisaversteher wird hier eine Doku der tweets anlegen, damit klar wird, was er mit der Wagenburg um die rest-in-peace-Lehrer meint. Einstweilen dazu noch ein altes Stück über Lehrer: "Sind sie faule Säcke oder arme Schweine?" (Siehe unten) - und ihre enorme Bedeutung für Schulreform. Viel Spaß!
@sebaso @cervus die frage ist: schmeisst du doofe lehrer sofort raus? was bewirkt das in der schule? #faulesaecke #schulreform
Mein Tweet zur überbordenden us-amerikanischen Debatte über Obamas Bildungsprogramm „Race to the top“ hat sogar in Hamburg und im tiefen Bayern die Nerven blank gelegt: Mit einem Tweetgewitter reagiert @lisarosa, auch @vilsrip bekommt einen puteroten Kopf wegen des bösen Lehrerbashings.
Mitverantwortung für tote Schulen
Lisarosa spricht ausgerechnet die wichtigste Gruppe von jeder Mitverantwortung an toten Schulen frei: die Lehrer – und fordert differenziert hinzuschauen. Sie aber verleiht pauschal allen Lehrern den Persilschein, mit dem Niedergang der Schulkulturen nicht zu tun zu haben. Das ist in dieser Undifferenziertheit nicht hinnehmbar.
RT @lisarosa: @ciffi Lehrerbashing führt bei mir zu extremem Widerstand // Dito.
Wie jeder weiß, der hin und wieder mit offenen Sinnen eine Schule betritt, und wie übrigens kilimandscharohohe Berge von Studien zeigen: Lehrer zählen, positiv. Aber: schlechte Lehrer zählen viel mehr. Sie lähmen tausende deutscher Schulen, weil sie in der inneren Emigration oder Frustration sind; sie blockieren beinahe jedes Reförmchen, das es tatsächlich bis zu ihnen schafft. Sie ziehen Kollegen runter. Und sie verfahren nach dem Motto:
Wir machen alles mit – sobald ihr Tausende Lehrer zusätzlich einstellt. Vorher geschieht gar nichts. Siehe z.B. den Leserbrief von Wulff zum taz-Interview mit Roland Seidl über das Übel Gleichschritt.
Das ist nichts anderes als Erpressung. Lehrer, genauer eine bestimmte Spezies unter ihnen, nimmt Schulen und Kinder als Geisel für die eigene Indolenz. Das sage übrigens nicht ich, das sagen die Lehrer selbst, und zwar die guten über ihren scheintoten Kollegen.
Krokodilsprinzip: Alle still liegen bleiben, dann gibts Geld
Wenn ich mal einen kursorischen Blick über ein mir ganz gut bekanntes Kollegium schweifen lasse, dann befinden sich dort eine Handvoll echter aktiver Leistungsträger, die sofort besser Schule machen wollen.
Sie werden am stärksten geblockt von: Einer immobilen Gruppe von Lehrern, die nach dem Krokodilsprinzip verfährt. Möglichst still liegenbleiben - dann regnet es Geld.
Was mich schwer wundert, ist dass die hiesige Lernenzwonull-Blogosphäre völlig ausblendet, welche Prinzipien sie vertritt – und für welche die Ruhet-in-Frieden-Fraktion im Lehrerzimmer steht. Die einen wollen aus starren Zeitfenstern und Lernformen raus, sie gieren nach individuellen Lernmethoden, partizipativen Projekten und kollaborativen Formaten. Daneben steht eine Pauker-Gruppe, welche die Arme fest verschränkt und all dies für unmöglich hält oder als sinnlosen Blödsinn empfindet. Und ausgerechnet die Web2.0.-Community baut nun einen Schutzwall gegen pauschales Lehrerbashing auf. Tztztz.
Was tun mit failing teachers?
Ich empfehle, sich die einzelnen Elemente des race-to-the-top #rttt mal näher anzusehen (außer dem bekloppten Titel). Dann wird man feststellen, dass es sehr interessante Punkte darin gibt – wie die Überlistung der faulen Bundeststaaten (-länder) durch einen Wettbewerb; die Ausrichtung an Bildungsarmut und failing schools etc. Es gibt ein Bündel hochspannender Fragen zu diskutieren. Dass man aber um eine Antwort auf die Frage: „Was tun mit failing teachers?“ nicht herumkommt, ist unbestritte
WatchBlog LernWächter
Die Korrektur
Das erste WatchBlog hat rege Aufmerksamkeit hervorgerufen. Martensteins Fan dete hat einen Kommentar auf sein Weblog subtexte geschrieben. (Leider zensiert dete einen kommentar von pisaversteher dazu, daher dokumentiere ich ihn unten dieser Seite.) Unten stehen ebenfalls Kommentare von Lehrern, die - ihrem Kollegen beispringen. Prima.
Besonders wichtig: Warum schwören Lehrer keinen Eid, jedes Kind zu bestmöglich zu fördern und keines zurück zu lassen? (Siehe Anmerkung)
Wie muss man sich fühlen, wenn man eine Arbeit mit dieser Bemerkung zurückbekommt?
„Der Hauptteil ist noch nicht gelungen. Hier gibst du nicht nur unwesentliche, sondern auch falsche Inhalte wieder. Es wird deutlich, dass du die Zusammenhänge des Vorfalles nicht erkennst und auch nicht folgerichtig darstellen kannst. Auch glückt s dir nicht, die Zusammenhänge durch Adverbialsätze oder Adverbien in eine logische Reihenfolge zu bringen. Der Schluss muss ebenso Verbesssert werden (...) Achte auch auf die äußere Form der Arbeit."
Das sind die Kommentare eines Lehrers zur Arbeit eines jungen Gymnasiasten. pisaversteher erspart es sich, weitere Passagen zu veröffentlichen. Es findet sich in der Arbeit und seinen Korrekturen keine einzige aufmunternde oder positive Bermerkung - übrigens auch nicht mündlich. Diese Korrektur atmet den Geist des "Du-gehörst-hier-nicht-her!"
Solche übellaunigen, zerstörerischen und beschämenden Korrekturen gibt es täglich Tausendfach in Deutschland. Und es wird Zeit, dass Kinder und Eltern damit nicht mehr allein bleiben.
Daher richtet Pisaversteher ein WatchBlog LernWächter ein. Er soll Korrekturen öffentlich machen, er soll das Fehlverhalten an Schulen aufzeigen, die Auslese vor Förderung, die Beschämung vor Stärkung setzen.
Das WatchBlog wird aber nicht nur Lehrer beobachten, sondern auch Eltern(verbände) und Minister. Weil es nicht mehr sein kann, dass die kleinen und großen Gemeinheiten unbeobachtet bleiben.
Etwa wenn der Berliner Landeselternausschuss einen Runden Tisch zu "Schulhelfern" organisiert - und die wichtigste Berliner NGO auf diesem Gebiet, das "Netzwerk Förderkinder" mit fiesen Tricks davon ausschließt. Sortieren statt Fördern - das gilt auch hier.
Oder wenn die Edelfeder Martenstein schreibt: „Bildung ist für zehn oder fünfzehn Prozent der Bevölkerung objektiv wertlos geworden.“
"Kein Kind bleibt zurück", dieser Grundsatz ist auch dann verletzt, wenn der neue Präsident der Kultusminister, Ludwig Spaenle (CSU), die Hauptschule zu einem "niederschwelligen pädagogischen Angebot besonders für Migranten" erklärt.
Wer bei dem LernWächter mitmachen will, der schreibt einen Kommentar mit einem Hinweis hier rein. Oder eine mail an lernwaechter(at)email.de
anmerkung: inzwischen gibt es einige kommentare, die alle in die gleiche richtung gehen - man kann den fall (oben) ohne die unterrichtssituation nicht wirklich decodieren. tja, mehr können wir nicht verraten - sonst ist der schüler gefährdet, denn man könnte ihn identifizieren.
ich kann nur soviel sagen: vor der probe wurde systematisch druck aufgebaut und die negative beurteilung wurde mündlich keineswegs aufgefangen. das ist ja die kritik - die sortieranstalt schule wirkt bis in die kleinste unterrichtssituation hinein.
ich finde zwei bemerkungen aufschlussreich, die im laufe des tages bei mir eingingen:
Wenn du unter eine schlechte Klausur (5 oder 6, für manche auch schon 3 oder 4) einen positiven Kommentar schreibst, könnte ja jemand auf die Idee kommen, deine Note anhand dieser Bemerkung in Frage stellen. Das bedeutet Zeitaufwand, Diskussionen evtl Ärger mit der Schulleitung oder weiteren Behörden. Darum korrigieren manche bestimmt lieber "eindeutig". Traurig, ist aber leider so.
So schreibt ein lehrer, und es zeigt, dass nicht die pädagogen das probelm sind, sondern ein schulsystem, das sie zwingt, gegen ihren pädagogischen eid* zu verstoßen und nach den schwächen eines kindes zu fahnden, anstatt seine stärken zu stärken.
Dass das insgesamt natürlich nicht im Geringsten motivierend ist - keine Frage. Dass Lehrer das gerne anders machen würden - auch keine Frage. Aber sie müssen, so sind die Vorgaben.
... lautet ein anderer kommentar. das, ich muss es zugeben, macht einen sprachlos. hier stehe ich und kann nicht anders - also demotiviere ich.
Anmerkung 2 - Kommentar auf detlefteichs subtexte, der aber von dete leider nicht zugelassen wird:
pisaversteher_ der einwand ist nur scheinbar berechtigt. natürlich kann man die umgebende situation des falles nicht schildern, weil sie eine identifierung des schülers zuliesse und unweigerlich zu seiner relegation führen würde. die schule ist in weiten teilen eine schülererniedrigungsanstalt - gerade im gymnasium für jene, die nicht ins ideal der studienräte passen. es gibt solche lehrer heute noch, die aufsätze öffentlich beklatschen, in denen ein antidemokratisches bild von schule verherrlicht wird: bildung sei für 20 prozent der bevölkerung objektiv wertlos (martenstein). ein solcher satz ist mit der aufklärung nicht zu vereinen; deutschlehrer, die auch gegenüber dritten immer ihren rotstift bereit halten, können sich freilich in der verfassung nicht so gut auskennen. aber kein problem: die sortiermaschine demografie wird uns von dieser sorte lehrer bald befreien - 467.000 lehrer alter schule sagen good bye bis 2020. puuh!
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*ein kommentar (s.u.) stellt fest, dass lehrer keinen eid für die gute erziehung der kinder leisten, sondern auf den staat schwören. vielleicht liegt es daran: lehrer fühlen sich nicht dafür verantwortlich, wie hartmut von hentig schreibt:
- die Eigenheit eines jeden Kindes zu achten und gegen jedermann zu verteidigen,
- für seine körperliche und seelische Unversehrtheit einzustehen,
- zu allem, was ich seiner Person antue, seine Zustimmung zu suchen, wie ich es bei einem Erwachsenen täte,
- das Gesetz seiner Entwicklung, soweit es erkennbar ist, zum Guten auszulegen und dem Kind zu ermöglichen, dieses Gesetz anzunehmen,
- seine Anlagen herauszufordern und zu fördern (...)
Drei Cent Anerkennung für jeden Lehrer
Der peinlichste deutsche Schulpreis
Sehr geehrter Herr Alaybeyoglu,
vielen Dank für unser Gespräch am Dienstag über die Wohltaten der Vodafone-Stiftung. Allerdings muss ich zugeben, dass Ihr Mitteilen und vor allem Ihr Verschweigen kein gutes Licht auf die Vodafone-Stiftung werfen. Lassen Sie uns beim einfachsten und zugleich empörendsten beginnen: Ihre Stiftung ist eine CSR- und Agitationsabteilung von Vodafone Deutschland. So ist die Industrie halt: Zieht Milliarden aus der Gesellschaft, gibt Peanuts zurück – und hängt das ganze auch noch an die große Glocke.
Sie aber, Herr Alaybeyoglu, sollten einfach wissen, wie der Umsatz und der Gewinn des Unternehmens ist, von dem Sie abhängig sind. Und Sie sollten es als Sprecher auch verraten, wenn man Sie danach fragt. Sonst könnte man auf die verrückte Idee kommen, diese folgenden Nachrichten zu schreiben, die ja beide vollkommen korrekt wären:
„Sprecher der Vodafone-Stiftung kennt Vodafone-Umsatz nicht“.
Oder noch blöder im Sound:
„Sprecher der Vodafone-Stiftung weigert sich, Vodafone-Gewinn zu nennen“.
Kurz zu dem, was Mäzenatentum ist und was peinlich ist.
Richtig ist es, „Bildung und soziale Mobilität zu fördern“, wie Sie als Ziel der Vodafone-Stiftung angeben. Peinlich ist es, dafür nur sechs Millionen zu spenden, wenn man einen Umsatz von 9,4 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern von 3,67 Milliarden Euro hat. Drei Millionen Euro gibt Vodafone Deutschland in den Pro-Bono-Topf seiner Stiftung, der Rest kommt von der der europäischen Vodafone-Stiftung. Herr Alaybeyoglu, das bedeutet, Vodafone D. gibt ein Promill seines Gewinns vor Steuern an die Gesellschaft zurück – in den USA würde sich kein Unternehmer wagen, eine so grotesk niedrige corporate responsibility-Rate auch nur zu erwähnen.
Wir erlauben uns aber zu erwähnen, dass die drei Millionen Euro, die Vodafone an seine Stiftung gibt, selbstredend steuerlich absetzbar sind. Nein, kein Missverständnis, wir sind nicht so naiv zu glauben, dass sie deswegen drei Millionen Euro weniger an Steuern zahlen. Aber wir wollen klarstellen: Auch der Steuerzahler beteiligt sich an ihrer wenig großzügigen Spende für die soziale Mobilität in Deutschland.
Aus den Mitteilungen, die Sie über den Deutschen Lehrerpreis geschrieben haben, geht hervor, dass Lehrer in etwa der wichtigste Job ist, den wir in Deutschland haben. Dem ist unbedingt zuzustimmen wegen des einzigen Rohstoffs Kinder, den wir haben etc. Meine Frage ist:
Wieso ist Ihnen die Anerkennung der 800.000 Lehrer in Deutschland dann nur 2,8 Cent je Lehrer wert?
Sie haben 23.000 Euro an Preisgeldern für den Deutschen Lehrerpreis ausgelobt.
Das ist, auch das muss man klarstellen, kein kleiner Betrag. Es bringt den Lehrern und möglicherweise auch für den Unterricht etwas - wenngleich sich insgesamt 27 Preisträger die 23.000 Euro teilen müssen. Aber: Ihr Preis steht in keinem Verhältnis zur Potenz des Unternehmens, das sie finanziert. Und der Preis steht in keinem Verhältnis zu dem bombastischen Werbeaufwand, den sie treiben. Umgerechnet drei Cent Anerkennung für die deutschen Lehrer - das ist ein bisschen zu wenig, wenn man – wie Sie - auch noch Karl Jaspers für sich in Anspruch nimmt: „Das Schicksal einer Gesellschaft wird dadurch bestimmt, wie sie ihre Lehrer achtet!".
Es ist auch ganz einfach. Der Deutsche Lehrerpreis will nicht das, was Sie behaupten: Lehrer anerkennen. Wenn das so wäre, dann würden sie mit großer Ehrlichkeit einen substanziellen Beitrag leisten für diesen lädierten Berufsstand. Und den bräuchte es, denn 300.000 Lehrer gehen in den nächsten Jahren in Ruhestand, und es ist gar nicht abzusehen, wie man kompetenten innovativen Nachwuchs dafür bekommen könnte.
Nein, das Ziel ihrer Aktion ist, Ihrem Unternehmen zu nutzen. Das ist korrekt. Prima. Das Ziel aber des Philologenverbandes, der mit ihnen den Preis verleiht, ist etwas ganz anderes. Man will den wirklich wichtigen Deutschen Schulpreis kopieren – und macht ihn dabei kaputt. Der Lehrerpreis ist nur ein Abklatsch des Schulpreises.
Der Lehrerpreis ist eine ziemlich preiswerte PR-Aktion von Vodafone und den deutschen Studienräten. Mit Innovation hat er, pardon, nichts zu tun.
Beste Grüße - Christian Füller. Pisaversteher
P.S. Gerade hat Oberstudiendirektor Meidinger Ihre Zahlen korrigiert. Es bekommen also doch alle 21 Preisträger je 1.000 Euro. Macht nach unserer Rechnung nun 34.000 Euro Anerkennung für die Lehrer. Gut, dass Sie das Preisgeld erhöht haben. Wir korrigieren sogleich den Wertschätzungsindex nach oben: Statt 2,8 Cent nun 4,2 Cent Anerkennung pro Lehrer.
LERNEN2.0 - wie es wirklich geht
Warum Netbook-Klassen nicht scheitern müssen
Er ist einer der wichtigsten Vertreter des Lernen2.0, Olaf Kleinschmidt, it-fittester Lehrer Deutschland. Im Interview mit pisaversteher zeigt er nun, was in Frankreichs Netbook-Klassen wirklich schief gelaufen ist - und worin die ungeheure Kraft des neuen Lernens stecken könnte.
Das ganze Interview gibts heute auf der taz-Bildung. Vorab bei pisaversteher ein paar Kernsätze:
- ES GIBT IMMER NOCH viele Lehrer, DIE SICH WEIGERN FÜR DEN UNTERRICHT EINEN COMPUTER EINZUSCHALTEN, GESCHWEIGE DENN IHN IM UNTERRICHT SACHGERECHT EINZUSETZEN.
- "Laptop und Web2.0-Anwendungen bedeuten für den Lernenden: Erstens die intrinsische Motivation. „Ich mache das, um mich selbst zu entwickeln“ - das ist das Prinzip, das der Computer erleichtert. Zweitens wird es mit vernetzten Geräten viel leichter, individuelles und zugleich gemeinsames Lernen in der Klasse zu praktizieren."
- zu Netbook-Klassen, wenn sie gut gemacht sind: "Alle physischen Begrenzungen fallen weg – sei es die Wand des Klassenzimmers. Der Lernraum wird unendlich und er verwandelt sich auch von der Methode her grundlegend. Es geht um die idealste Kooperation für die beste Problemlösung – das ist die durch Web2.0 möglich gemachte neue Form der Wissensproduktion: Alle an alle, Schwarmintelligenz ist überall."
Kleinschmidt entwirft eine IT-Strategie für die Republik - und er fragt sich, wie ernst es die Politik eigentlich meint, wenn sie vom neuen lernen immer nur schwatzt, es aber nicht befördert.
später mehr.
Wie Lehrer spickmich denunzieren
Die Herren der Note
Wer wissen will, wie Lehrer drauf sein können, muss sich deren Haltung zu spickmich ansehen: Noten für Lehrer seien ein Angriff auf die Demokratie.
"spickmich ist die schule der denunziation und keine neue kritikkultur", schreibt ein Lehrer an Pisaversteher.
Was haben Lehrer eigentlich kapiert?
Der Bundesgerichtsgerichtshof hat spickmich erlaubt und darauf hingewiesen, dass sich auch Lehrer dem demokratischen Element der Meinungsäußerung zu unterwerfen haben. Pisaversteher hat die Entscheidung in der taz beklatscht als "Meilenstein für den Schritt zu einer neuen Lernkultur."
Die Reaktionen waren wie so oft bei Lehrern - aufs tiefste beleidigt: Wer den Alleinherrscherstatus von Lehrern infrage stellt, muss sich auf was gefasst machen.
Ein Lehrer schrieb:
Mit einem gewissen Schmäh wird die "benotete" Pädagogin mit diesem Urteil zum lebenslangen Spießrutenlauf durch die Reihen der nun "frei kommunizierenden" Schüler verurteilt. Wer das für demokratisch hält, hat - trotz juristischer Titel - den Sinn unserer Verfassung nicht richtig verstanden.
Ein anderer behauptet tatsächlich,
im Alltag unserer Schulen sei "die Gauß'sche Notenverteilung schon vor Jahrzehnten beerdigt" worden."
und meint:
"LehrerInnen sind und werden schon seit Jahrzehnten (bestimmt auch in Berlin!) hervorragend ausgebildet. Kaum ein anderer Beruf hat eine solch lange und harte Ausbildung."
Pisaversteher kann da nur mit dem Kopf schütteln. Lehrer führen sich gern wie beleidigte Leberwürste auf. Sie sind eindeutig die Chefs im Ring, sie reden am allermeisten im Unterricht - siehe Desi-Studien -, sie verdienen im europäischen Vergleich ausgezeichnet, sie haben relativ überschaubare Arbeitszeiten - aber sie jammern bei jeder sich bietenden Gelegenheit herum.
Das spickmich-Portal bietet die Chance, das asymetrische Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern halbwegs zu korrigieren. Und schon jault die Lehrerschaft wieder auf. Wenn etwa Deutschlands Oberlehrer Josef Kraus meint, spickmich müsse verboten und stattdessen eine Kultur freundlicher Rückmeldung im Unterricht entwickelt werden, dann muss man fragen dürfen: Die Lehrer haben seit Jahrhunderten Zeit, so etwas zu entwickeln. Wieso haben sie nicht längst damit angefangen?

